[2007-08-23] OL: WOC 2007 Middle Final Women
Der Mitteldistanz-Final der Frauen an der OL WM in Kiew. Interpretiert als Rashomon. :-).
Rashomon
Akira Kurosawas berühmtester Film inszeniert die Erzählung Im Walde von Akutagawa Ryunosuke. Ein Geschehen im Walde (ein Mord) wird aus den Sichten aller Beteiligten dargestellt. Dabei sind diese Sichten widersprüchlich.
Die Finalbahn
Die WM-Bahn war taff und spannend. OL vom feinsten.
Analysen
Im Verlauf des Wettkampfes haben sich immer wieder Läuferinnengruppen gebildet, die teilweise über gut die Hälfte der Renndistanz anhielten. Sicherlich ist das Zusammenlaufen ein Risiko, aber es ist definitiv auch ein Vorteil, wenn es darum geht, das Tempo hochzuhalten oder in der Mikroroutenwahl. Aufgrund der öffentlich zugänglichen Abschnittszeiten habe ich darum exemplarisch den Rennverlauf dieses Finals nachgebaut und mir über die Darstellung von Klumpenbildung etwas überlegt.
Die Wettkampfzeittabelle
Verknüpft man die Abschnittszeiten einer Läuferin mit deren Startzeit, so kann man deren Rennverlauf in die (absolute) Wettkampfzeit umrechnen.So kann berechnet werden, zu welchem Wettkampfzeitpunkt eine Läuferin bei einem Posten gestempelt hat und ergo wird dadurch sichtbar, wenn zwei oder mehrere Läuferinnen diesen Posten in Sichtdistanz passieren. Der Wald Bortnichi ist sehr grün und die Sicht ist dementsprechend eingeschränkt. Die willkürliche Annahme ist nun, dass eine Läuferin zur anderen Kontakt hat, wenn die beiden nicht mehr als 15 Sekunden hintereinander stempeln.
In der untenstehenden Tabelle sind die so erruierten Kontaktgruppen farblich zusammengefasst.

Tab.1. Kontaktgruppen (zwischen zwei Läuferinnen t <= 15 s) in Wettkampfechtzeit
Kontaktgrafik
Die Annahme der Buffergrösse kann der zeitliche Verlauf dieser Kontaktgruppen auch grafisch dargestellt werden.

Bufferüberschneidungen in Wettkampfzeit.
Zur Grafik: Auf der y-Achse ist die Wettkampfzeit aufgetragen. Auf der x-Achse die jeweilge idealzeit zum nächsten Posten (Achtung unterschiedliche Zeit-Masstäbe). Die grünen Linien im Hintergrund repräsentieren so den Verlauf der Idealzeit (Summe aller Bestzeiten; auch Phantomzeit). Die Abweichung einer Athletinnenkurve von dieser Linie nach oben zeigt nun, wie unideal :-P sie diesen Posten absolviert hat bzw. ist die Abweichung minim, lief sie gut. Die Finalistinnen sind in einem Zwei-Minuten-Intervall ins Rennen gegangen (Siehe regelmässige Abstände auf der linken Grafikseite; Startreihenfolge von unten nach oben). Überschneiden sich zwei oder mehrere Zeitbuffer (+/-15s um eine Läuferin), so ist das in der Grafik mit dem dunkleren Ton des Buffers angezeigt. Allerdings stellen diese Überschneidungen nur in unmittelbarer Postennähe auch zwingend räumliche Nähe dar. Die Grafik hat einige spannende Details.
Pekka Varis hat diesselbe Art von Grafik für die WM 2005 in Japan erstellt (Longdistance Men).
Mats Troeng hat die Idee der Echtzeitdarstellung bereits in die neuste Version seiner Auswertungs/Darstellungssoftware Winsplit integriert. Seine Grafik zum selben Rennen hier. Er geht sogar noch weiter und führt zwei Indizes ein, die das Führen und Mithängen in Kontaktgruppen charakterisieren soll. Seine Indextabelle zum gleichen Lauf hier. Der Index ist mit grosser Vorsicht zu geniessen.
Konstanzgrafik
Verschiedene Kontaktgruppen scheinen die Funktion von Auffangbecken zu haben, d.h. Läuferinnen, die eingeholt wurden fallen in der Regel nicht sofort weiter zurück. Es liese sich rechnerisch herausfinden, ob und wie stark jemand von einer Kontaktgruppe profitieren konnte (Vergleiche Lauftempo mit und ohne Kontaktgruppe). Nicht so präzis aber schön anzuschauen ist dagegen untenstehende Grafik:

Die Grafik illustriert die zwischenzeitlichen Tempoabweichungen vom Durchschnittstempo einer Läuferin.
Zuguterletzt die Flächen nach Rangierung geordnet.
Zeitkurven nach Schlussrang geordnet.
Hier die Abfolge: Die Schnellen ohne Fehler - die Schnellen mit einem kleinen Fehler - die nicht so schnellen ohne Fehler und von da an zunehmende Fehlergrössen...
Mehr zum Thema
Pekka Inkeri, O-Trainer von Kalevan Rasti hat sich zum Problem der Klumpenbildung im OL hier so seine Gedanken gemacht. (Ich favorisiere eine Kombination aus einem verkleinerten Finalfeld, wirklichen Routenwahlen und 3 Minutenintervallen)
Rashomon
1. Simone Niggli: Beim Zwischenposten bin ich in Führung gelegen und habe kurz darauf Marianne Andersen eingeholt.
3. Marianne Andersen: På mellomdistansen valgte jeg å satse på en veldig kontrollert taktikk. Jeg anså dette for å gi størst sannsynlighet for et bra resultat. Bronsemedaljen var en stor lettelse, endelig var jeg tilbake der jeg ønsket å være.
7. Emma Engstrand:Jag hade bra koll hela vägen fram till ettan och när jag stämplade där hade jag redan kommit ikapp tjejerna som startade två respektive fyra minuter före mig.
12. Eva Jurenikova: The tactics was to have a safe race; keeping contact with the map all the time. Unfortunately I lost it about 50-70m from the fifth control and made a mistake (ca 2min). I finished 12th (actually my best individual WOC place ever), but not very happy with my run.
13. Hanny Alston: Things didn’t go quite to plan as Hanny entered the forest. Immediately she could feel herself loosing contact with the map and confusion surrounded the use of so many negative contours. After a shaky start and an early catch by the Finnish runner behind, Hanny managed to settle into a groove. At 19th through the 1st radio control, Hanny steadily gained on her competitors, approaching the spectator control in 16th before climbing to her finishing position of 13th.
14. Celine Dodin: Vor Posten 3: A ce moment-là, je rattrape la fille partie 2’ devant moi, mais en croyant que je me faisais rattraper, et ça ne m’a pas fait du bien au moral. ..
la proximité avec cette concurrente et une autre que nous venions de rattraper ne joue pas en ma faveur et me mets dans un faux rythme où j’ai tendance à regarder dans les rétros plutôt que de me reconcentrer sur ma carte... Puis j’arrive à me détacher complètement de mes concurrentes en allant au poste 9, heureuse chose qui me fera orienter à mon rythme sur la dernière boucle,
34. Anne Margarethe Hausken: Den første finalen var mellomdistansen, og den er det ikke så mye å si om annet enn at jeg bommet grovt på 4.post og ble nummer 34.